VII. Der politische Aufstand gegen die Moderne
Das Welt- und Menschenbild der Moderne, das schon vor dem Ersten Weltkrieg
künstlerisch, wissenschaftlich, politisch und sozial Gestalt und
Ausdruck gefunden hatte, begann sich in der Nachkriegszeit über die
ganze westliche Welt auszubreiten. Dabei stieß es auch auf den erbitterten
Widerstand all jener Kräfte und gesellschaftlichen Schichten, die
sich durch diesen epochalen kulturellen Wandel in ihrer wirtschaftlichen,
sozialen und vor allem geistigen Stellung bedroht fühlten.
Die sozialen und politischen Leitbilder der Moderne - die demokratische
Staatsform, die politische Gleichberechtigung der Geschlechter, die Emanzipation
der Frau, die Trennung von Kirche und Staat, das Recht auf Bildung und
Information und der Schutz der Privatsphäre - standen alle im Zeichen
eines bisher unbekannten Anspruchs auf Selbstbestimmung. Die Erfüllung
dieses Anspruchs wurde jedoch von breiten Schichten nicht nur als Bereicherung,
als Erweiterung menschlicher Möglichkeiten, sondern auch als Bedrohung
empfunden. Die konsequente Verfolgung der Kant'schen Maxime "Sapere
aude! Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" hatte
dem einstigen religiösen Weltbild seine Glaubwürdigkeit genommen
und zur Ausbildung einer profanen Kultur geführt, die ihr Selbstbewußtsein
und ihre Normen nicht mehr in erster Linie aus religiöser Offenbarung
und überlieferter Tradition schöpfte, sondern aus der Deutung
der eigenen Erfahrung. Die Geisteshaltung der Moderne hatte dabei nicht
nur Unmündigkeit und soziale Repression gemildert und die Hebung
des Lebensstandards vorangetrieben, sondern auch das Welt- und Menschenbild
und die geistigen Strukturen zerstört, die bisher Schutz und Halt
gewährten. Das Lebensgefühl des neuen Zeitalters wurde durch
die Erfahrung einer allgemeinen Ungewißheit geprägt.1
Diese Ungewißheit ließ sich nur solange widerspruchslos ertragen,
als sie in einem optimistischen Licht erstrahlte, das heißt solange
die Verheißungen der neuerworbenen Rechte und Freiheiten die damit
verbundenen Ängste in den Hintergrund drängen konnten. Mit dem
Ausbruch und der zunehmenden Verschärfung der materiellen und geistigen
Krisen der Nachkriegszeit war dies nicht mehr der Fall; die Doppeldeutigkeit
der Moderne - die unaufhebbare Verknüpfung von Freiheit und Ungesichertheit
- wurde immer schmerzlicher empfunden. In fast allen europäischen
Ländern entstanden radikale nationalistische und antidemokratische
Bewegungen, die erneut unerschütterliche Gewißheiten boten
und versprachen, das Leben des Einzelnen und der Nation geistig und wirtschaftlich
wieder auf solide Grundlagen zu stellen. Das erklärte Ziel dieser
Bewegungen, die wir heute als faschistisch2 bezeichnen, war die Errichtung
eines totalitären Staates. Ihre extremste und folgenschwerste Ausformung
fand diese politische Ideologie im deutschen Nationalsozialismus.
1. Der Nationalsozialismus
Die Geschichte des Nationalsozialismus ist durch eine umfangreiche Literatur3 dargestellt und dokumentiert worden und soll hier nur soweit stichwortartig nachgezeichnet werden, als sie für die Entwicklung der Moderne von Bedeutung ist. Unser Interesse gilt dabei in erster Linie der nationalsozialistischen Ideologie und der Weltanschauung ihres Schöpfers Adolf Hitler. Rückblickend läßt sich nämlich erkennen, daß Hitlers großangelegter und mißlungener Versuch, den Geist der Moderne "mit Stumpf und Stil auszurotten", indirekt ganz wesentlich dazu beigetragen hat, das neue Welt- und Menschenbild zu konsolidieren und dessen Leitbilder zu einem integralen Bestandteil des westlichen Bewußtseins zu machen.
Hitlers Lehrjahre
Hitlers Laufbahn begann 1908, als er nach dem Tod der Mutter (der Vater
war 1903 gestorben) als 19-jähriger nach Wien zog, um dort Kunstmaler
zu werden. Nach zwei gescheiterten Versuchen, in die Kunstakademie aufgenommen
zu werden, führte er bis zum Kriegsausbruch zuerst in Wien, später
in München ein unstetes Bohèmedasein, das er mit den Einkünften
aus seiner Waisenrente, dem Malen von Postkarten und gelegentlichen Bilderverkäufen
bestritt. Statt einen anderen Beruf zu erlernen oder sonstwie einer geregelten
Arbeit nachzugehen, verbrachte er seine Tage in öffentlichen Bibliotheken
und eignete sich durch ausgedehnte Lektüre eine Halbbildung an, aus
der er das theoretische Gerüst seiner Weltanschauung zimmern sollte.
Der Kriegsausbruch im Jahre 1914 setzte diesem Müßiggang ein
Ende. Hitler meldete sich sofort als Freiwilliger; er wurde als Meldeläufer
einem bayrischen Regiment zugeteilt und hielt sich so gut, daß er
wegen besonderer Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.
Dieser Einsatz für ein großes gemeinsames Ziel läßt
sich als Heilungsversuch verstehen: Durch die starke Besetzung des idealisierten
Pols des Selbst versuchte Hitler, die durch sein bisheriges Versagen bedingte
Schwächung des exhibitorischen Pols auszugleichen. Der Kriegsdienst
war jedenfalls die erste, gewissermaßen berufliche Tätigkeit,
in der er sich bewährt hatte, und man darf annehmen, daß sowohl
dieser Erfolg als auch die Vorstellung, als Mitglied der Armee an der
Macht und Größe der siegreichen deutschen Nation teilzuhaben,
ganz wesentlich zur Stärkung seines angeschlagenen Selbstwertgefühls
beigetragen haben.
Kurz vor Kriegsende wurde Hitler mit einer Gasvergiftung in das Lazarett
Pasewald eingeliefert. Hier wurde er im November 1918 durch die deutsche
Revolution, die Bildung der Weimarer Republik und den militärischen
Zusammenbruch jäh aus seinem neugefundenen psychischen Gleichgewicht
gerissen; die idealisierte Struktur, der sein ganzer Einsatz gegolten
hatte, war entwertet und zerstört. Darauf reagierte Hitler mit narzißtischer
Wut und psychischer Abwehr. Sein Haß richtete sich gegen die Schöpfer
der Weimarer Republik, gegen die "feigen Verräter", die
seiner Auffassung nach der immer noch siegreich kämpfenden deutschen
Armee den Dolch in den Rücken gestoßen hatten. Etwas später
vollzog er eine besondere Spielart der durch Freud als Abwehrmechanismus
beschriebenen "Identifikation mit dem verlorenen Objekt"4: Er
wehrte den Verlust der idealisierten Imago ab, indem er sich mit der glorreichen,
durch die Republikaner verratenen deutschen Nation identifizierte - sein
Selbst verschmolz mit seinem idealisierten Über-Ich. Er gelobte,
alles daran zu setzen, um das Ergebnis von 1918 wieder rückgängig
zu machen und beschloß, Politiker zu werden.
1919 trat Hitler der kleinen, in München tätigen Deutschen Arbeiter
Partei bei. In diesem Kreis entdeckte er sein Rednertalent; mit der ständig
wiederholten Forderung nach einer umfassenden nationalen Erneuerung und
seinen unaufhörlichen Haßtiraden gegen den "jüdischen
Bolschewismus" und die "Verbrechen der Republik" gewann
er eine breite Anhängerschaft, die sich in den wachsenden Mitgliederzahlen
der Partei niederschlug. 1921 wurde er zum Vorsitzenden und Führer
der von ihm inzwischen neubenannten Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiter Partei (NSDAP) ernannt und als solcher mit uneingeschränkten
Vollmachten ausgestattet. Zu seinem persönlichen Schutz verfügte
er auch über eine eigentliche Privatarmee - die Sturmabteilung oder
SA -, die jedoch immer öfter dazu eingesetzt wurde, die Versammlungen
seiner politischen Gegner zu stören oder zu verhindern. Ende 1923
fühlte er sich stark genug, um nach dem Vorbild Mussolinis (Marsch
auf Rom) den Staatsstreich zu wagen. Das Scheitern dieses Versuchs brachte
die erste Phase seiner Laufbahn zu ihrem unrühmlichen Abschluß:
die NSDAP wurde verboten und Hitler zu fünf Jahren Festungshaft in
Landsberg verurteilt. Hier begann er mit der Niederschrift seines politischen
Manifests, das er nach seiner vorzeitigen Haftentlassung 1925 abschloß.
Das zweibändige, 700 Seiten umfassende Werk Mein Kampf
berichtet über den bisherigen Werdegang seines Autors, um anschließend
die politischen und weltanschaulichen Thesen des Nationalsozialismus zu
verkünden.
Die Ideologie des Nationalsozialismus
Den Kern dieses wahnhaft-grandiosen Gedankengebäudes bildet Hitlers
sozialdarwinistische Rassenlehre. Nach dieser setzt sich die Menschheit
aus höheren und minderwertigen Rassen zusammen, wobei den höheren
Rassen das Recht zukommt, die minderwertigen zu unterwerfen und den eigenen
Zielen und Zwecken dienstbar zu machen. Die beste und wertvollste Rasse
ist die durch die germanischen Völker gebildete arische Rasse.
Nach Hitler sind die höchsten Leistungen der Menschheit in Kunst,
Wissenschaft und Technik "nahezu ausschließlich schöpferisches
Produkt des Ariers. Gerade diese Tatsache aber läßt den nicht
unbegründeten Rückschluß zu, daß er allein der Begründer
höheren Menschentums überhaupt war, mithin den Urtyp dessen
darstellt, was wir unter dem Worte Mensch verstehen."5
Diese so überaus wertvolle Rasse muß erstens reingehalten,
d.h. vor jeder Vermischung mit "minderwertigem, artfremdem Blut"
bewahrt werden; und sie muß zweitens über einen für ihre
Entwicklung adäquaten Lebensraum verfügen: "Außenpolitik
ist die Kunst, einem Volke den jeweils notwendigen Lebensraum in Größe
und Güte zu sichern. Innenpolitik ist die Kunst, einem Volke den
dafür notwendigen Machteinsatz in Form seines Rassenwerts und seiner
Zahl zu erhalten."6
Die Idealisierung des Ariers findet ihr Gegenstück in einem fanatischen
Antisemitismus. Wohl konnte sich dieser in Deutschland auf eine Jahrhunderte
alte Tradition stützen; bei Hitler gewinnt er jedoch einen bisher
unbekannten, manischen Charakter. Der Jude wird zum "Abschaum der
Menschheit", zum gemeingefährlichen, schädlichen "Ungeziefer"
erklärt, das es "auszurotten" gilt. "Er ist und bleibt
der typische Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus
sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden
dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der
von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer
oder längerer Zeit ab."7
Somit bedroht der Jude die ganze zivilisierte Menschheit. "Kulturell
verseucht er Kunst, Literatur, Theater, vernarrt das natürliche Empfinden,
stürzt alle Begriffe von Schönheit und Erhabenheit, von Edel
und Gut und zerrt dafür die Menschen herab in den Bannkreis seiner
eigenen niedrigen Wesensart. Die Religion wird lächerlich gemacht,
Sitte und Moral als überlebt hingestellt, so lange, bis die letzten
Stützen eines Volkstums im Kampfe um das Dasein auf dieser Welt gefallen
sind. Nun beginnt die große, letzte Revolution. Indem der Jude die
politische Macht erringt, wirft er die wenigen Hüllen, die er noch
trägt, von sich. Aus dem demokratischen Volksjuden wird der Blutjude
und Völkertyrann. In wenigen Jahren versucht er, die nationalen Träger
der Intelligenz auszurotten und macht die Völker, indem er sie ihrer
natürlichen geistigen Führer beraubt, reif zum Sklavenlos einer
dauernden Unterjochung. Das furchtbarste Beispiel dieser Art bildet Rußland,
wo er an dreißig Millionen Menschen in wahrhaft fanatischer Wildheit
teilweise unter unmenschlichen Qualen tötete oder verhungern ließ,
um einem Haufen jüdischer Literaten und Börsenbanditen die Herrschaft
über ein großes Volk zu sichern."8
Vom Ausgang des Kampfes zwischen der arischen und der jüdischen Rasse
hängt nach Hitler das zukünftige Schicksal der Menschheit ab.
"Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses
über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totentanz
der Menschheit sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen
menschenleer durch den Äther ziehen. [...] So glaube ich heute im
Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich
des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."9
Hitlers Rassentheorie ist wissenschaftlich unhaltbar und voller Widersprüche.10
Der Begriff der Rasse wird nie definiert, Volk und Rasse, Stamm, Art und
Nation werden weitgehend synonym verwendet. Obwohl Hitler die Rassenfrage
als den "Schlüssel zur Weltgeschichte" bezeichnet, werden
die wirklichen, nach der Hautfarbe unterscheidbaren Menschenrassen - die
weiße, die schwarze und die gelbe Rasse - in seinen Schriften und
Reden kaum je erwähnt. Es geht ihm ja nicht um biologische Fakten
- seine Theorie dient ausschließlich der Rationalisierung und Rechtfertigung
der Vorurteile und Haßgefühle, die er während seiner Adoleszenz
(seiner Wiener Zeit) unter dem Eindruck der eigenen Ohnmacht und Bedeutungslosigkeit
ausgebildet hat. Der Jude ist sein Sündenbock. Er steht stellvertretend
für alle Menschen, Kräfte oder Institutionen, die Hitlers überhöhtes
Selbstbild und seinen Machtanspruch direkt oder indirekt in Frage stellen.
Dies zeigt sich unter anderem auch darin, daß Hitler alle seine
Gegner unterschiedslos zu Juden erklärt: Demokratie und Völkerbund,
Pazifismus, Marxismus und moderne Kunst sind jüdische Erfindungen,
die Sowjetunion, das "internationale Börsenkapital", die
deutsche Revolution von 1918, die Weimarer Republik und der Versailler
Vertrag das Werk des "internationalen Judentums".
Es erübrigt sich, diese unsinnigen Behauptungen zu widerlegen. Der
gemeinsame Nenner, der alle diese als jüdisch gebrandmarkten
Erscheinungen miteinander verbindet, ist die geistige Haltung oder Weltanschauung,
die in ihnen zum Ausdruck kommt. Es ist dieselbe, die auch den Leitbildern
des neuen Zeitalters zu Grunde liegt: dem Selbstbestimmungsrecht der Völker,
der Achtung vor den Menschenrechten, der rationalen Legitimierung der
Macht, der Gleichberechtigung der Geschlechter, dem Schutz der Privatsphäre,
der Rede- und Versammlungsfreiheit, dem gesellschaftlichen Pluralismus.
Hitlers Feindbild - das "internationale Judentum" - hat paradigmatische
Bedeutung: Es meint den Geist der Moderne.
Der unsägliche Haß, den Hitler zeitlebens dieser Geisteshaltung
entgegenbrachte, läßt sich bis in seine Lehrjahre zurückverfolgen.
Diese Zeit, die er von 1909-1915 in Wien und München verbrachte,
stand im Zeichen der anbrechenden Moderne. Psychoanalyse, Relativitätstheorie,
neue Architektur, moderne Kunst und Zwölftonmusik begannen zu jener
Zeit ihren internationalen Siegeszug. Sie kündeten von einem neuen
Anfang, von unbekannten Horizonten, die Hitler verschlossen waren. Seine
starre, dogmatische Charakterstruktur schloß einen neugierigen,
spielerisch-experimentellen Umgang mit den neuen Strömungen aus und
verunmöglichte ihm deren schöpferische Aneignung. Das Wesen
der Moderne blieb Hitler fremd. Er konnte die Werte, die sie vertrat,
weder verstehen noch integrieren; doch merkte er wohl, daß da etwas
Bedeutsames vor sich ging, zu dem er keinen Zugang fand, an dem er nicht
teilhaben konnte. Er fühlte sich ausgeschlossen und reagierte darauf
mit Wut - das neue Paradigma wurde zum großen Beleidiger, den es
zu vernichten galt. Mit sicherem Spürsinn erkannte Hitler im Geist
der Moderne seinen Erbfeind.
Seine Rassenlehre erlaubte ihm nicht nur, sein Unverständnis und
sein Ausgeschlossensein pseudowissenschaftlich als biologisch bestimmten
Vorgang zu deuten und in sein politisches Programm einzubauen; sie ermöglichte
ihm auch, alle seine Gegner unter einem einzigen Begriff, einem prägnanten
Schimpfwort, zusammenzufassen; die Rassenlehre lieferte das zur Mobilisierung
breiter Massen unerläßliche Feinbild.
Versuch einer psychologischen Deutung
Hitlers seelische Dynamik ist schon mehrmals durch Psychologen aller
Schattierungen eingehend untersucht und bis in seine früheste Kindheit
zurückverfolgt worden.11 Ohne auf die Ergebnisse dieser Arbeiten
einzugehen, sollen im folgenden lediglich bestimmte Charakterzüge
dieses Menschen unter dem Gesichtspunkt der Kohut'schen Narzißmustheorie
betrachtet werden.
Hitler verbindet in sich die Merkmale der messianischen und der charismatischen
Persönlichkeit. Als solche bezeichnet Kohut12 gewisse narzißtisch
fixierte Individuen, die ein scheinbar unerschütterliches Selbstvertrauen
ausstrahlen, ihre Meinung mit größter Gewißheit verkünden
und sich ungescheut zu Führern und Göttern derjenigen aufwerfen,
die das Bedürfnis haben, geführt zu werden und ein Ziel für
ihre Verehrung zu finden. Kohut führt die Gefühle der Stärke
und der absoluten moralischen Überlegenheit, durch die sich charismatische
und messianische Persönlichkeiten auszeichnen, darauf zurück,
daß diese Menschen eine völlige Identifikation mit ihrem eigenen
Größenselbst (mit ihren Ambitionen) oder mit ihrer idealisierten
Struktur (der Summe ihrer Wertvorstellungen und Ordnungsprinzipien) vollzogen
haben. Sie fühlen sich dazu berechtigt, ihre Ziele und Ambitionen
mit größter Rücksichtslosigkeit durchzusetzen; dementsprechend
fassen sie auch ihre Ideale nicht als regulierenden Maßstab ihres
Handelns auf, sondern erleben sich selbst als deren Personifizierung.
Solche Menschen projizieren alle ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten
auf die Außenwelt; sie blenden die kränkende Realität
aus dem eigenen Selbstbild aus und ersetzen sie durch die Illusion der
eigenen Allmacht und Vollkommenheit.13
Charismatische und messianische Persönlichkeiten gibt es nach Kohut
in allen Farben und Schattierungen. Das Spektrum reicht von extrem ausgeprägten,
die Psychose tangierenden Fällen zu solchen, bei denen die beschriebene
Verschmelzung mit ihrem Größenselbst oder ihrem idealisierten
Über-Ich nur partiell ist, sodaß sie sich in anderen Sektoren
ihres Selbst durchaus unbefangen und normal verhalten können.
Man trifft sie häufig unter politischen oder religiösen Führern,
unter Intellektuellen oder Künstlern. Bezeichnenderweise wollte Hitler
alle diese Rollen zugleich übernehmen, so, wie er auch beide narzißtische
Persönlichkeitstypen in sich vereinte: Er trat als der allwissende
Messias und als der allmächtige Führer seines Volkes auf.
Hitlers völlige Identifikation mit seinem idealisierten Über-Ich
und mit seinem Größenselbst, d.h. seine unumstößliche
Gewißheit, im Recht zu sein und seine unbedingte Entschlossenheit,
den eigenen Willen mit größter Rücksichtslosigkeit und
unter Mißachtung aller Einwände durchzusetzen, zeigt sich nicht
nur im apodiktischen Ton aller seiner Äußerungen, sondern auch
im organisatorischen Konzept, das er der Partei und später dem Staat
zugrundelegte - im Führerprinzip. "Es ist eine der obersten
Aufgaben der Bewegung, dieses Prinzip zum bestimmenden nicht nur innerhalb
ihrer eigenen Reihen, sondern auch für den gesamten Staat zu machen.
Wer Führer sein will, trägt bei höchster unumschränkter
Autorität auch die letzte und schwerste Verantwortung. Wer dazu nicht
fähig ist oder für das Ertragen der Folgen seines Tuns zu feige
ist, taugt nicht zum Führer. Nur der Held ist dazu berufen ..."14
Entsprechende Maximen sollten auch seine Außenpolitik bestimmen:
"Erstens muß unser Volk von dem hoffnungslos wirren Internationalismus
befreit und bewußt und systematisch zum fanatischen Nationalismus
erzogen werden ... Zweitens werden wir unser Volk, indem wir es dazu erziehen,
gegen den Irrsinn der Demokratie zu kämpfen und wieder die Notwendigkeit
von Autorität und Führertum einzusehen, von dem Unsinn des Parlamentarismus
fortreißen. Drittens werden wir, indem wir das Volk von dem jämmerlichen
Glauben an eine Hilfe von draußen, das heißt von dem Glauben
an Völkerversöhnung, Weltfrieden, Völkerbund und internationale
Solidarität, befreien, diese Ideen zerstören. Es gibt nur ein
Recht in der Welt, und dieses Recht liegt in der eigenen Stärke."15
Dieser maßlose Machtanspruch gewinnt eine zusätzliche Bedeutung,
wenn man Hitler als gescheiterten Künstler und seine Politik als
eine Art Ersatzhandlung, als eine fehlgeleitete künstlerische Betätigung
auffaßt. So gesehen ist Hitler auch als Politiker ein fragwürdiger
Künstler geblieben und hat im Grunde nur das Medium gewechselt.
Was dem Maler Farbe und Leinwand bedeutet, war ihm das Volk: Er sah darin
den Werkstoff, mit dem er seinem grandiosen Selbst und seinem idealisierten
Über-Ich Gestalt und Ausdruck verleihen konnte. Seine Gestaltungsmittel
waren Suggestion und Terror, sein Werkzeug war die Partei. In diesem Sinn
wurde Hitler auch in der nationalsozialistischen Propaganda immer wieder
als Künstler, als Architekt und Bauherr des Staates besungen.
Unter dem Titel Die Kunst als Grundlage der schöpferischen
Kraft in der Politik erklärte der Völkische Beobachter,
das offizielle Organ der Partei: "Es besteht eine innere und unlösbare
Verbindung zwischen den künstlerischen Arbeiten des Führers
und seinem großen politischen Werk. Das Künstlerische ist auch
die Wurzel seiner Entwicklung als Politiker und Staatsmann. Seine künstlerische
Tätigkeit ist nicht bloß eine zufällige Jugendbeschäftigung
dieses Mannes, nicht Umweg des politischen Genies, sondern die Voraussetzung
seiner schöpferischen Totalitätsidee."16 Die nationalsozialistische
Ideologie sah im großen Staatsmann den begnadeten
Künstler; Joseph Goebbels, Hitlers Propagandaminister, hob bei jeder
Gelegenheit diese ästhetische Dimension der Politik hervor. Nach
ihm ist "die Politik kein spezifiziertes Handwerk, sondern nichts
anderes als die Kunst der Völkerformung; damit berühren sich
die Gebiete der Künstler und Politiker. Sie alle sind von dem edlen
Ehrgeiz besessen, dem Rohstoff, der form- und gestaltlos ist, Form und
Gestalt zu geben."17 In diesem Sinn betrachtete Hitler das deutsche
Volk, ja ganz Europa als eine amorphe, knetbare Masse. Er erfuhr die Welt,
die ihn umgab, nicht als eigentliche Wirklichkeit - als ein von ihm unabhängiges,
gleichberechtigtes Gegenüber - sondern sah sie nur als eine Erweiterung
seines eigenen narzißtischen Universums.18
Die Machtergreifung
Nach diesem psychologischen Exkurs zurück zur Geschichte des Nationalsozialismus.
Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus der Festungshaft ging Hitler erneut
an die Verwirklichung seines Entwurfs. Das Scheitern seines Putschversuchs
hatte ihn jedoch von der Notwendigkeit überzeugt, seine Ziele fortan
mit legalen, d.h. parlamentarischen Mitteln zu verfolgen: "Statt
die Macht durch Waffengewalt zu erzwingen, werden wir zum Ärger der
katholischen und marxistischen Abgeordneten unsere Nasen in den Reichstag
stecken. Wenn es auch länger dauert, sie zu überstimmen, als
sie zu erschießen, so wird uns schließlich ihre eigene Verfassung
den Erfolg garantieren."19
Die Mitgliederzahl der NSDAP wuchs vorerst nur langsam an und betrug Ende
1928 knappe 60 000. Die Lage änderte sich erst, als die ökonomische
Bedrängnis der Bevölkerung mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise
1929/30 ihren Höhepunkt erreichte. Am stärksten betroffen waren
die kleinen Leute - Handwerker, Angestellte, Einzelhändler und Bauern;
sie fühlten sich nicht nur in ihrer wirtschaftlichen Existenz, sondern
auch in ihrem sozialen Selbstverständnis bedroht.
Das Versprechen der Nationalsozialisten, den Mittelstand zu schützen
und die ehemalige, gewachsene Ordnung wieder herzustellen, sowie ihre
Kampfansage an den Marxismus, die Arbeiterbewegung, das "jüdische
Kapital" und die internationale Verschwörung zur Knechtung des
besiegten Deutschlands fanden bei diesen Berufsgruppen zunehmend Anklang.
Die Anhängerschaft des Nationalsozialismus beschränkte sich
jedoch nicht mehr auf das Kleinbürgertum, denn Hitler hatte inzwischen
jedem etwas zu bieten: dem Bauern höhere Preise, dem Industriellen
Schutz vor der ausländischen Konkurrenz, dem Arbeiter Sicherung seiner
Existenz, dem ehemaligen Offizier eine neue Wehrmacht und die Aussicht
auf Kriegsruhm, dem Nationalisten ein großes deutsches Reich.20
Der vielleicht wichtigste Verbündete der Nationalsozialisten war
dabei die weitverbreitete Furcht vor dem Kommunismus. Der Nationalsozialismus
wurde als Bollwerk gegen diesen verstanden und von den Vertretern des
Establishments - als das kleinere Übel - solange toleriert, bis es
zu spät war, um ihm Einhalt zu gebieten.
Im September 1930 gewann die NSDAP mit 6,5 Millionen Stimmen 107 Reichstagssitze,
in den Wahlen von 1932 wurde sie mit fast 14 Millionen Stimmen und 230
Sitzen zur stärksten Partei Deutschlands. Am 30. Juni 1933 wurde
Hitler vom Reichspräsidenten von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.
In dieser Stellung gelang es ihm im Verlauf von knapp 18 Monaten, alle
verfassungsmäßigen und rechtsstaatlichen Hindernisse zu beseitigen
und ein diktatorisches Regierungssystem zu errichten.
Nachdem sich auch die Kirchen der beiden großen christlichen Konfessionen
soweit angepaßt hatten, daß sie für das Regime keine
Gefahr mehr darstellten, blieb Hitler nur noch wenig zu bereinigen. Er
entledigte sich mit der Ermordung der obersten SA-Führung und sonstiger
unbotmäßiger Parteifunktionäre (Röhmputsch) der tatsächlichen
oder vermeintlichen Gegner in den eigenen Reihen und konnte schließlich
nach dem Tod Hinderburgs den letzten Schritt vollziehen: Am 2. August
1934 vereinigte er die Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten
in seiner Person und ließ einen Tag später die Wehrmacht auf
sich vereidigen. Nach der so erfolgten Neutralisierung oder Eliminierung
aller potentieller Gegner und der Errichtung eines Zwangsstaates, in dem
er über die absolute Macht verfügte, konnte Hitler nun sein
eigentliches Werk - die vollständige und systematische Umgestaltung
des deutschen Volkes - in Angriff nehmen.
Der Parteiapparat
Das wichtigste Machtinstrument der nationalsozialistischen Innenpolitik
war die Partei; sie ermöglichte die totale Organisation der Gesellschaft.
Die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädchen erfaßten die
männliche und weibliche Jugend; die von der Partei eingesetzten Gau-,
Orts-, Gruppen- und Zellenleiter kontrollierten die gesamte erwachsene
Bevölkerung. Mit einem gigantischen Apparat von Berufsverbänden,
Kammern und Instanzen beherrschte die Partei auch jede öffentliche
oder private Tätigkeit. Lehrer, Ärzte und Rechtsanwälte,
Studenten und Dozenten, Künstler, Schriftsteller und Architekten,
Bauern, Arbeiter und Unternehmer mußten in ihre jeweiligen, von
Parteifunktionären geleiteten Berufsorganisationen eintreten. Das
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, dem Funk
und Presse unterstellt waren, sorgte für ihre gesinnungsmäßige
Gleichschaltung.
Alle Aktivitäten der Partei vollzogen sich im Schutz und unter der
Kontrolle der paramilitärisch organisierten SS (= Schutz-Staffel).
Durch diese bewußt von den übrigen Parteigenossen abgehobene
Organisation wurde die Bevölkerung beherrscht und in Furcht gehalten.
Unter der Leitung Heinrich Himmlers kam ihr die Aufgabe zu, jede Opposition
gegen den Staat aufzuspüren und im Keim zu ersticken. Dazu baute
die SS mit der ihr angeschlossenen Gestapo (der Geheimen Staatspolizei)
ein Spitzelsystem aus, das den Partei- und Staatsapparat sowie alle Lebensbereiche
der Bevölkerung durchsetzte; mit ihren Verfolgungsmethoden und der
Einrichtung von Konzentrationslagern, in denen politische Gegner eingesperrt,
mißhandelt und, nach Ausbruch des Krieges, zu tausenden hingerichtet
wurden, stellten sie das wichtigste Instrument des politischen Terrors
dar.
Die Judenverfolgung
Der Nazi-Terror galt nicht nur den politischen Gegnern des Systems, sondern auch bestimmten Minderheiten der Bevölkerung und unter diesen in erster Linie den Juden. Unmittelbar nach der Machtergreifung eröffnete am 1. April 1933 ein landesweiter Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien die lange Reihe der Diffamierungs- und Verfolgungsmaßnahmen, mit denen die Juden Schritt für Schritt entrechtet, ausgegrenzt, ausgeplündert, verfolgt und schließlich vernichtet werden sollten. Am 7. April 1933 trat das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Kraft, das mit seinem Arierparagraphen den Juden jeden Zugang zum öffentlichen Dienst versperrte und sie aus allen öffentlichen und privaten Verbänden ausschloß. Mit dem Erlaß der sogenannten Nürnberger Gesetze wurden sie 1937 offiziell zu Bürgern zweiter Klasse erklärt. Die Eheschließung von Juden mit Angehörigen "deutschen oder artsverwandten Blutes" war fortan verboten (Blutschutz-Gesetz), entsprechender außerehelicher Geschlechtsverkehr wurde als "Rassenschande" strengstens bestraft. Jüdische Ärzte, Anwälte, Gewerbetreibende und Handwerker wurden mit einem Berufsverbot belegt, jüdische Geschäfte und Unternehmen im Rahmen eines großangelegten Arisierungsprogramm enteignet. Durch eine lange Reihe von Ausnahmegesetzen wurde den Juden der Besuch von öffentlichen Schulen, Universitäten, Kinos, Theatern, Konzerten, Ausstellungen und Badeanstalten verboten; schließlich wurde ihnen sogar die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel verwehrt und der Kauf und Besitz von Autos, Telefonen, Zeitungen und selbst Haustieren untersagt. Mit dem landesweiten Pogrom der Reichskristallnacht (vom 9. auf den 10. November 1938) erreichte diese erste Phase der nationalsozialistischen Judenverfolgung ihren Höhepunkt: Im ganzen Reich wurden jüdische Geschäfte, Wohnhäuser, Einrichtungen, Schulen und über 250 Synagogen in Brand gesteckt und zerstört, tausende von Juden mißhandelt und in Haft genommen, zum Teil auch erschlagen. Mit Ausbruch des Krieges sollte die Judenverfolgung in ihre zweite Phase treten, die mit den systematischen Vernichtungsaktionen in den Konzentrationslagern endete.
Die Kulturpolitik
Mit der Ausgrenzung und der materiellen Verfolgung der Juden war es
jedoch nicht getan. Auch das Kulturleben mußte "entjudet",
vor dem zersetzenden Einfluß "internationalen" Gedankenguts
beschützt und dem "arischen Genius" zurückgewonnen
werden.
Die Reichskulturkammer mit ihren Unterabteilungen Musik, Bildende Kunst,
Theater, Schrifttum, Presse, Rundfunk und Film zwang alle Bereiche des
kulturellen Lebens in den Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung.
Kulturschaffende, die sich nicht fügten, wurden mit Berufsverbot
belegt. Diese dem Propagandaministerium unterstellte Organisation sollte
nach Goebbels die "freie Entwicklung" des kulturellen und künstlerischen
Lebens fördern: "Die schaffenden Menschen sollen sich in Deutschland
wieder als eine Einheit empfinden; es soll ihnen jenes Gefühl trostloser
Leere genommen werden, das sie bisher von der Nation und ihren treibenden
Kräften trennte. Nicht einengen wollen wir die künstlerisch-kulturelle
Entwicklung, sondern fördern. Der Staat will seine schützende
Hand darüber halten. Die deutschen Künstler sollen sich unter
seinem Patronat geborgen fühlen und das beglückende Gefühl
zurückgewinnen, daß sie im Staate ebenso unentbehrlich sind
wie die, die die Werte seines materiellen Daseins schaffen. Arbeiter der
Stirn und der Faust werden sich die Hände reichen zu einem Bund,
der für alle Ewigkeit unauflösbar sein soll. Die Gemeinschaft
aller Schaffenden wird Wirklichkeit, und jeder gilt an seinem Platz das,
was er für die Nation und ihre Zukunft zu leisten entschlossen ist..."21
Die Früchte der neuen arischen Kulturpolitik ließen nicht lange
auf sich warten. Am 10. Mai 1933 kam es zu den berüchtigten Bücherverbrennungen,
sechs Tage später wurde die erste Verbotsliste Schöne
Literatur veröffentlicht. Die Werke von Thomas und Heinrich
Mann, Stefan Zweig, Robert Musil, Bertolt Brecht, Arthur Schnitzler, Erich
Kästner und vielen anderen, darunter auch Sigmund Freud, wurden zum
"schädlichen und unerwünschten Schrifttum" erklärt,
aus allen öffentlichen Bibliotheken verbannt, und sie durften nicht
mehr gedruckt werden. Film und Theater unterstanden der Zensur; sogar
die Musik wurde staatlich reglementiert: Werke jüdischer oder russischer
Komponisten durften nicht mehr aufgeführt werden.
Am 11. April 1933 wurde das Bauhaus geschlossen, anschließend
die Museen und Galerien "gesäubert". Gestützt auf
den Erlaß Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum
begann der Kampfbund für deutsche Kultur in den öffentlichen
Sammlungen die als "kulturbolschewistisch, entartet oder zersetzend"
eingestuften Werke moderner Künstler zu beschlagnahmen, um sie zum
Zweck der Volksaufklärung in eigentlichen Schandausstellungen an
den Pranger zu stellen.
Ihren Höhepunkt erreichten die Aktionen zur Säuberung
des Kunsttempels im Jahre 1937, als eine von Goebbels eingesetzte
Raubkommission in einem Bildersturm ohnegleichen in wenigen Wochen etwa
17 000 Werke aus öffentlichen Sammlungen entfernte.22 Daraus wurden
über 600 Werke in der berühmt-berüchtigten Ausstellung
Entartete Kunst als abschreckendes Beispiel zur Schau gestellt.
Die Ausstellung, die einen repräsentativen Querschnitt durch die
Kunst der klassischen Moderne bot, sollte die Gefährlichkeit dieser
"von jüdischen und bolschewistischen" Wortführern
gelenkten und zum "vollendeten Wahnsinn" führenden Entwicklung
aufzeigen. Das Reichspropagandaministerium ließ nichts unversucht,
um sie in aller Leute Mund zu bringen. Von 1937 bis 1939 wurde sie in
München, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt gezeigt und zog im
Lauf von zwei Jahren über zwei Millionen Besucher an.
Glücklicherweise retteten wirtschaftliche Erwägungen die beschlagnahmten
Werke vor der materiellen Vernichtung; ein Teil wurde magaziniert, der
größere Rest an ausländische Sammler und Museen verkauft.
Die Epoche der "bolschewistischen Kulturvernarrung" war damit
abgeschlossen.
Unter der schützenden Hand des Staates vereint waren nun die deutschen
Künstler wieder unter sich. Museen und Galerien öffneten sich
der linientreuen, "arteigenen, nordischen Kunst", die den "heldischen
Menschen" verherrlichte und ihre Inspiration ausschließlich
aus "Blut und Rasse" schöpfte. Besiegelt wurde die so vollzogene
Gleichschaltung durch den Erlaß zur Neuformung des deutschen
Kulturlebens, der die Kulturkritik generell verbot und nur noch
die positive Kunstbetrachtung zuließ.
Stilistisch knüpfte die von den Nationalsozialisten als Ausdruck
einer geistigen Erneuerung gepriesene Kunst an den akademischen Klassizismus
und die Historien- und Genremalerei des 19. Jahrhunderts an; ihre Aussage
war literarischer Art und erschöpfte sich im Anekdotischen. Die Bilder
und Plastiken, die in den alljährlich stattfindenden Großen
Deutschen Kunstausstellungen in München vorgestellt wurden,
waren dementsprechend nach den jeweiligen Bildthemen geordnet: Landschaften,
Tierbilder, Porträts, Akte, Darstellungen aus dem Alltag deutscher
Bauern, Bilder aus dem Bereich des Sports oder der Jagd, das Thema Mutter
und Kind und, ab 1939 immer häufiger auch Verherrlichungen des Krieges
und der soldatischen Tugenden (Abb. _).
Der brave, nüchtern wirkende Naturalismus dieser Darstellungen stand
in einem auffallenden Gegensatz zur irrealistischen Geisteshaltung, die
in ihnen zum Ausdruck kam. Der offiziellen Kunst des Dritten Reiches fehlte
jeder Wirklichkeitsbezug; das Land, das sich darauf vorbereitete, den
technisiertesten Krieg der Geschichte zu führen, stellte sich in
seiner Malerei mit Pferd und Wagen, Handpflug, Spinnrocken, mit stillenden
Müttern, mit Amboß, Hammer und Schwert, also in einer dezidiert
vorindustriellen Aufmachung dar.23 "Mit richtigem Instinkt suchen
die Künstler [...] ihre Modelle vor allem unter jenen Volksgenossen,
die gleichsam von Natur in Ordnung sind", rechtfertigte der Kunsthistoriker
Fritz Alexander Kauffmann 1941 diese Themenwahl, "... sie greifen
da zu, wo die Nachbarschaft des heimischen Bodens, die pflegenden Kräfte
der Landschaft, der Schutz des Blutes vor Vermischungen, die Macht gewachsener
Tradition und der Segen wohltätiger Arbeit die Substanz gesund erhielten.
Ganz folgerichtig erscheinen deshalb in unserer Malerei von heute immer
wieder bäuerliche Gesichter und Gestalten, die Männer der naturnahen
Urberufe, die Jäger, die Fischer, die Hirten und Holzbauer, ihnen
aber gesellen sich die schlichten Menschen des Handwerks zu, weil auch
in dieser durch Meisterschaft geadelten Lebensform aufbauende Rechtschaffenheit
sinnfällig wird."24 Jedes Sujet wurde ideologisch aufgeladen,
jedes Thema allegorisch, mythologisch oder symbolisch überhöht.
Die innere und äußere Wirklichkeit wurde durch ein Wunschbild,
durch eine Illusion ersetzt, wobei dem Naturalismus wieder einmal die
Aufgabe zufiel, dem Dargestellten Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das
aus dem Streben nach objektiver Erkenntnis hervorgegangene Stilmittel
trat, wie einst in der Salonkunst des 19. Jahrhunderts, in den Dienst
einer manipulatorisch-idealisierenden Gesinnung und verleugnete damit
seine geistigen Grundlagen. In diesem Sinn produzierten die Künstler
des Dritten Reiches vorwiegend monumentalen Kitsch.
Ein Staat, ein Volk, ein Führer
Die Beiträge des 1989 erschienenen Sammelbandes Niemand war
dabei und keiner hat's gewußt25 machen deutlich, in welchem
Maß das Vorgehen gegen die Juden von der deutschen Öffentlichkeit
gebilligt oder zumindest toleriert wurde. Die Rassenlehre vermittelte
der Bevölkerung ohne Zweifel ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl
und kompensierte gleichzeitig die völlige Machtlosigkeit des kleinen
Mannes, denn als Deutscher und Arier konnte sich nun auch der Letzte und
Ärmste zu den Auserwählten zählen.
Während Juden und Zigeuner wie Aussätzige aus dem Leben der
Gemeinschaft ausgestoßen wurden, sonnte sich (so) die große
Mehrheit der deutschen Bevölkerung im Glanz der neugewonnenen nationalen
Größe. Der wirtschaftliche Aufschwung, die großen Bauten
und Autobahnen, die sozialen Einrichtungen, das perfekte Funktionieren
der öffentlichen Dienste, die nationalsozialistischen Feste, Empfänge
und Paraden, die olympischen Spiele und die anfänglichen außenpolitischen
Erfolge schienen ihr den Preis, der dafür zu entrichten war, wert
zu sein. Die jedem staatlichen Rechtsempfinden widersprechenden Terrorakte
der Polizei, der SA und SS, die Morde, Konzentrationslager und Verhaftungswellen
blieben jedenfalls ohne Echo. Das Schlagwort Ein Staat, ein Volk,
ein Führer war kein Wunschbild, sondern entsprach der sozialen
und politischen Wirklichkeit.
Dieses Einvernehmen zwischen Volk und Führer ermöglichte es
Hitler, seine Macht Schritt für Schritt soweit abzusichern, bis jeglicher
Widerstand von unten her aussichtslos geworden war. Der kleinen Minderheit,
die den Nationalsozialismus aus innerer Überzeugung ablehnten, blieb
nur die Wahl zwischen äußerer Anpassung, Emigration und einem
Ende im KZ. Nachdem es Hitler gelungen war, das deutsche Volk zu seinem
willenlosen Werkzeug zu machen, konnte er an die Verwirklichung seiner
weltpolitischen Ziele gehen: die Eroberung des nötigen Lebensraumes
im Osten, die Unterwerfung und Vereinigung Europas unter die deutsche
Herrschaft und die sogenannte Endlösung der Judenfrage.
2. Der Zweite Weltkrieg
Hitlers Außenpolitik zeichnete sich durch dieselbe rücksichtslose
Entschlossenheit und dasselbe Tempo aus, die er bereits bei der Verfolgung
seiner innenpolitischen Ziele an den Tag gelegt hatte. Unmittelbar nach
seiner Machtergreifung erklärte er Deutschlands Austritt aus dem
Völkerbund; 1935 führte er (unter Mißachtung des Versailler
Vertrages) die allgemeine Wehrpflicht ein; 1936 besetzten deutsche Truppen
das entmilitarisierte Rheinland; 1938 erfolgten der Anschluß Österreichs
und derjenige des Sudetenlandes, d.h. des mehrheitlich von Deutschen bevölkerten
Teils der Tschechoslowakei. 1939 wurde die Resttschechei besetzt
und das Land zum Protektorat erklärt. Im selben Jahr schloß
Hitler mit der Sowjetunion einen Nichtangriffs- und Freundschaftspakt
ab, der in einem geheimen Zusatzprotokoll den Krieg mit Polen und die
Aufteilung ganz Osteuropas von Finnland bis Rumänien in eine deutsche
und eine sowjetische Interessensphäre vorsah. All dies hatte Hitler
erreicht, ohne daß ein einziger Schuß gefallen wäre;
trotz der zunehmenden Kritik und Empörung weiter Bevölkerungskreise
hatten die Regierungen der westlichen Demokratien keinerlei ernstzunehmende
Versuch unternommen, die deutsche Expansion aufzuhalten. Dies änderte
sich erst, als die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 die polnische
Grenze überschritt.
Am 3. September erklärten England und Frankreich dem deutschen Reich
den Krieg, auf den sie in keiner Weise vorbereitet waren. Ohne Kriegsplan
und weder willens noch fähig, offensiv gegen den gemeinsamen Feind
vorzugehen, beschränkten sie sich während der ersten Kriegsmonate
darauf, über den feindlichen Linien Propagandaflugschriften abzuwerfen.
Demgegenüber ging Hitler mit unerwarteter Geschwindigkeit und Effizienz
vor. Nach der Niederwerfung Polens gelang es den Deutschen schon im Frühjahr
1940, in einer Reihe von Blitzkriegen nacheinander Dänemark, Norwegen,
Holland, Belgien und Luxemburg zu besetzen, Paris einzunehmen und Frankreich
zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Inzwischen war Italien auf der Seite
Deutschlands in den Krieg eingetreten. Mit der Unterwerfung Jugoslawiens
und Griechenlands, der Landung auf Kreta und Rommels Siegen in Nordafrika
hatte Deutschland 1942 den Höhepunkt seiner militärischen Macht
erreicht.
Unter dem überwältigenden Eindruck seiner Erfolge wich Hitlers
ohnehin geringe Fähigkeit zur Realitätsprüfung vollends
dem berauschenden Gefühl der eigenen Allmacht und Unfehlbarkeit.
Statt das bisher Erreichte zu konsolidieren, mit England einen Frieden
auszuhandeln und dem unterworfenen Europa eine neue politische Struktur
aufzuzwingen, erlag er der eigenen Suggestion und erklärte in völliger
Verkennung seiner militärischen Möglichkeiten am 22. Juni 1941
der Sowjetunion und wenig später - nach dem japanischen Angriff auf
Pearl Harbour - auch den USA den Krieg.
Damit waren Deutschlands Kräfte überfordert; nach anfänglichen
Erfolgen kam Hitlers Vormarsch nach Osten im Winter 1942 vor Stalingrad
zum Stillstand, und schon im folgenden Jahr hatten die Alliierten an allen
Fronten die Oberhand gewonnen. Im Juni 1944 erfolgte die Invasion der
Normandie, im Frühjahr überschritten amerikanische und englische
Truppen den Rhein; die Russen eroberten Danzig und Wien und stießen
gegen Berlin vor. Am 7. Mai, eine Woche nach Hitlers Selbstmord, unterzeichneten
die Generäle Jodl und von Friedenberg die bedingungslose Kapitulation
der deutschen Wehrmacht. Nach dem Abwurf von zwei amerikanischen Atombomben
auf Hiroshima und Nagasaki kapitulierte am 10. August auch die japanische
Regierung. Der Zweite Weltkrieg war beendet, der Aufstand gegen
die Moderne niedergeschlagen.
Für die Alliierten hatte das mörderische Ringen während
der letzten Kriegsjahre immer deutlicher den Charakter eines Glaubenskrieges
angenommen, bei dem es nicht mehr bloß um die Durchsetzung der eigenen
politischen Interessen ging, sondern um die Bezwingung des Bösen
schlechthin. Dies lag nicht nur am Wesen und den Maximen der nationalsozialistischen
Ideologie, die immer deutlicher als Antithese zur Moderne erkannt wurde,
sondern am ganz konkreten Verhalten der deutschen Eroberer. Seit dem militärischen
Umschwung vor Stalingrad im Jahre 1942 waren die Unterdrückungsmethoden
der deutschen Besatzungstruppen immer brutaler geworden. Sie richteten
sich nicht nur gegen die jeweiligen Widerstands- und Partisanenbewegungen,
sondern auch gegen die Kriegsgefangenen und gegen die Zivilbevölkerung,
von der durch Massendeportationen über 7,5 Millionen Fremdarbeiter
der deutschen Industrie zugeführt wurden.
Gleichzeitig wurde die systematische Ausrottung der Juden vorangetrieben.
Im Januar 1942 hatten Spitzenfunktionäre des Dritten Reiches an der
berüchtigten Wannseekonferenz die Maßnahmen zur systematischen
Vernichtung der europäischen Juden - die sogenannte Endlösung
der Judenfrage - beschlossen. Im Zuge ihrer praktischen Durchführung
sollten ganz Europa von Westen nach Osten durchgekämmt, alle erfaßbaren
Juden zum Arbeitseinsatz in die besetzten Ostgebiete verschleppt und dort
in Konzentrationslager interniert werden. Zwangsarbeit unter menschenunwürdigenden
Bedingungen, Hunger, Seuchen, drakonische Strafen, sadistische Quälereien
und Massenhinrichtungen führten dazu, daß die Mehrzahl dieser
Häftlinge starben. Viele Lager wurden mit großen Vergasungskammern
und Krematorien ausgestattet, in denen insgesamt über fünf Millionen
Juden ermordet und verbrannt wurden. Obwohl immer wieder vereinzelte Gerüchte
über das Schicksal der Lagerinsaßen an die Öffentlichkeit
drangen, sorgte die nationalsozialistische Zensur mit härtesten Schweigegeboten
dafür, daß sowohl der deutschen Bevölkerung als auch den
Alliierten das volle Ausmaß dieses systematischen Völkermordes
verborgen blieb. Umso größer war das allgemeine Entsetzen,
als die vorrückenden alliierten Truppen in den befreiten Lagern auf
die grauenhaften Beweise für die besessene Gründlichkeit stießen,
mit der Hitlers Schergen die Endlösung vorangetrieben
hatten. Die entsprechenden Schreckensbilder, die in der unmittelbaren
Nachkriegszeit in allen Zeitungen und Wochenschauen zu sehen waren, trugen
mehr als jede andere Kriegserfahrung zur weltweiten und einhelligen Verurteilung
des nationalsozialistischen Deutschlands bei.
Dank der Erinnerung an diese Greueltaten bot sich der Nationalsozialismus
auch nach dem Krieg weiterhin als ein übergeordnetes, alle fortschrittlichen
Tendenzen verbindendes Feindbild an und förderte damit (als eine
Art Gegenpol) deren Selbstverständnis. Letzten Endes hatte Hitler
mit seinem mißlungenen Restaurationsversuch - der wahnhaften Übersteigerung
des politischen Absolutismus - gerade jenen Ideen und Prinzipien zum Durchbruch
verholfen, die er so erbittert bekämpft hatte. Internationalismus,
gesellschaftlicher Pluralismus, Demokratie und Kommunismus beherrschten
die politische Szene der Nachkriegszeit. Zur Sicherung des Weltfriedens
und zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit verabschiedeten
52 Regierungen die Charta der Vereinten Nationen, die am 24. Oktober 1945
in Kraft trat. Diese sah den kollektiven Beistand ihrer Mitglieder gegen
Angriffskriege und Gewaltanwendung, die friedliche Schlichtung aller Streitigkeiten
sowie den Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten vor.
Trotz dieses Versuches, eine allgemein verbindliche, Weltordnung zu schaffen,
konnte die alliierte Kriegskoalition den Sieg über den gemeinsamen
Feind nicht überleben. Die ideellen, politischen und kulturellen
Gegensätze der beiden neuen Supermächte, der USA und der Sowjetunion,
spalteten die Welt in zwei feindliche Blöcke. Während die Sowjetunion
den von ihr kontrollierten osteuropäischen Staaten die eigene totalitäre
Staatsform aufzwang und jeden Versuch ihrer Satelliten, sich aus dem eisernen
Griff dieses Systems zu befreien, mit Waffengewalt niederschlug, vertrat
die westliche Welt unter der Führung der USA die Grundsätze
und Leitbilder der Moderne - das Selbstbestimmungsrecht der Völker,
die Demokratie, den Schutz der Menschenrechte und die freie Marktwirtschaft.
Wohl wurden diese Grundsätze auch durch die Regierungen der westlichen
Demokratien immer wieder verletzt: innenpolitisch bei der Auseinandersetzung
mit den jeweiligen kommunistischen Parteien oder, wie in den USA, mit
den schwarzen Bürgerrechtsbewegungen, außenpolitisch vor allem
im Kampf gegen die nationalistischen Unabhängigkeitsbewegungen in
den europäischen Kolonien sowie in den zahlreichen militärischen
Interventionen, mit denen die USA die befürchtete Ausbreitung des
Kommunismus in den Ländern der Dritten Welt einzudämmen versuchte.
Trotzdem setzen sich im Westen die Leitbilder der Moderne immer stärker
durch und drangen immer tiefer ins öffentliche Bewußtsein.
Die Erinnerung an die Schrecken des nationalsozialistischen Terrors und
der Abscheu vor seinen Methoden waren zu lebendig geblieben um deren Wiederholung
zuzulassen. Das große Versprechen, das die siegreichen Demokratien
der Menschheit gemacht hatten, ließ sich nicht mehr zurücknehmen.26
Die freiwillige oder erzwungene Aufgabe der europäischen Kolonialreiche
im Orient, im Nahen Osten und in Afrika und die Erfolge der amerikanischen
Bürgerrechtsbewegung waren die deutlichsten Anzeichen eines sich
wandelnden Verhältnisses zwischen den Rassen. Gleichzeitig schlug
sich ein neues gesellschaftliches Selbstverständnis in weitgehenden
Sozialreformen nieder (Arbeitslosen-, Kranken- und Altersversicherungen,
Schulwesen etc.), die den Charakter der westlichen Gesellschaften von
Grund auf veränderte. Innerhalb des westlichen Bündnisses -
in Westeuropa, Israel, Kanada, Australien und den USA - hatte sich das
Paradigma der Moderne zumindest innenpolitisch weitgehend durchgesetzt.
Die gemeinsamen kulturellen Wurzeln, die gleichartige politische Ausrichtung,
die rasante Entwicklung der Kommunikationsmittel und Massenmedien, die
enge wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die gemeinsame Bedrohung durch
den kommunistischen Machtblock schloßen alle diese Staaten im Lauf
von zwei Jahrzehnten zu einem einheitlichen Kulturraum zusammen, dessen
liberales geistiges Klima zusammen mit dem ständig zunehmenden Wohlstand
die wissenschaftliche, technische, künstlerische und soziale Entwicklung
in einem immer schneller werdenden Tempo vorantrieb. Die kulturelle Euphorie
des Westens, das Gefühl, alles sei möglich und machbar, erreichte
in den späten sechziger Jahren mit der ersten bemannten Mondlandung
durch die Amerikaner (am 20. August 1969) ihren Höhepunkt. Im Lauf
dieser Entwicklung erlebte auch die Kunst der Moderne einen triumphalen
Aufschwung. Bezeichnenderweise vollzog sich dieser nicht in Europa, sondern
in den USA.